SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Einkauf
Mobilität
Gebäude
Klimatipps

Suche

Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Gemeindehaus mit Kita zum Sonnenhaus umgebaut

In Krummesse vor den Toren Lübecks wurde auch ein Zeichen für Klimagerechtigkeit gesetzt: Der „Zehnte“ aus den Fotovoltaik-Erträgen fließt in ein Klimaschutz-Projekt in Übersee.

 „Es begann alles mit einer Notwendigkeit, die nichts Ungewöhnliches vermuten ließ. Wir wollten das Gemeindehaus aus den 70er Jahren renovieren und um eine Kindertagesstätte erweitern“, blickt Pastor Ulrich Kaufmann auf das Jahr 2000 zurück. Bei der konsequent ökologischen Ausrichtung des dann zügig realisierten Umbaus ging die Gemeinde die Selbstverpflichtung ein, zehn Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf des fotovoltaisch erzeugten Stroms zu spenden: Mit diesen und weiteren lauenburgischen Mitteln wurde seit 2005 im Partner-Kirchenkreis Kâte, Papua-Neuguinea, die Vernetzung und Notfallkommunikation mit solarbetriebenen Funkgeräten gefördert. Die vorbildliche Idee des „Zehnten“, erstmalig von der Gemeinde Krummesse umgesetzt, hat sich inzwischen in Nordelbien etabliert.

Der Kirchenvorstand entschied sich, beim Umbau ein ganzheitliches Konzept der Architektin Heike Krüger zu verwirklichen, das auf die Erreichung des Niedrigenergie-Haus- Standards (KfW 60) abzielte. Grundlegend für die weitere Detailplanung war die Entscheidung, die Kita-Gruppenräume nach der Sonne hin zu drehen. Sie sind jetzt optimal nach Süden ausgerichtet. Über 2,60 Meter hohe Fensteröffnungen lassen hier das Tageslicht hinein fluten, während die nach Nord-Ost verlagerten Funktionsräume lediglich kleine Fenster aufweisen und als Wärmepuffer dienen. Große Bedeutung kam vor allem der Dämmung von Wänden und Dach mit umweltgerechten Baumaterialien sowie neuen Fenstern und Türen zu. Die Kita-Außenwände wurden in Holzrahmenbauweise mit Zellulosedämmung versehen, bei der Massivbauweise der Wände des Gemeindehauses kam Mineralfaserdämmung anstelle von Styropor zum Einsatz.

Auf PVC-haltige Materialien ist komplett verzichtet worden. Um den Niedrigenergie- Standard zu erreichen, wurde Luftdichtigkeit erzielt und eine dezentrale Lüftungsanlage eingebaut. Zur Heizungsunterstützung, v.a. der Fußbodenheizung in der Kita, und für die Warmwasserbereitung hat man die nach Süden gelegenen Dachflächen mit thermischen Solarkollektoren auf einer Fläche von elf Quadratmetern bestückt. Dazu wurde die vorhandene Heizung um einen Pufferspeicher ergänzt. Zusätzlich wurde eine Fotovoltaik- Anlage mit fünf Kilowatt-Spitzenleistung installiert, deren Stromertrag ins öffentliche Netz eingespeist wird und die dem Gemeindehaushalt eine jährliche Zusatzeinnahme von ca. 2.000 Euro beschert. Um den Trinkwasserverbrauch gering zu halten, wurde ein überflüssiger Öltank zur Zisterne umgewandelt. Mit dem gesammelten Regenwasser werden jetzt die Toiletten gespült. Alle Flachdächer erhielten ein Gründach, und die Kita-Außenanlagen wurden in einen Naturerlebnisraum umgestaltet.

Der gesamte Umbau der 650 Quadratmeter Nutzfläche zum Sonnenhaus ließ sich von Juni 2001 bis Januar 2002 realisieren. Da 24 Prozent der Investitionskosten durch Fördergelder, vor allem der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Umweltministeriums Schleswig-Holstein, gedeckt werden konnten, war es möglich, das ambitionierte Gesamtkonzept zu verwirklichen. Spenden von Gemeindemitgliedern und Unternehmen in der Region trugen ebenfalls entscheidend dazu bei. Die Gemeinde veräußerte darüber hinaus Bauland. „Alle haben an einem Strang gezogen“, betont Pastor Kaufmann, „sonst wäre uns dieser große Wurf nicht gelungen.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Energieverbrauch beträgt heute nur noch ein Drittel dessen, was vor dem Umbau erforderlich war. Das vermindert in der Energiebilanz die Produktion schädlicher Klimagase beträchtlich. „Das Sonnenhaus hat in den letzten fünf, sechs Jahren einen großen Multiplikator-Effekt in Krummesse und Umgebung entfaltet“, sagt Heike Krüger. „Wir fühlen uns ein bisschen als Pioniere“, ergänzt Ulrich Kaufmann, „andere ziehen mit der Zeit nach“. Auch das Gemeindeleben habe sehr vom Umbau profitiert. Im großen Foyer, das nun Kita und Gemeindesäle verbindet, treffen die Kids, Konfirmanden, Senioren und andere Gruppen aufeinander und lernen sich besser kennen. Hier ist auch eine Anzeigentafel angebracht, die genau die Mengen und Leistungen der Fotovoltaik- oder der Solarthermie-Anlagen sowie der Regenwasser-Zisterne seit ihrem Start anzeigt. Kindergerecht wird verdeutlicht, wozu sie im Betrieb beitragen und wie der aktuelle Füllstand der Speicher ist. „Ein weiteres Demonstrationsobjekt steht im Kitagarten“, so der Pastor, „ein aus alten Heizungsrohren selbstgebauter Sonnenkollektor erwärmt Wasser, das die Kinder zum Spielen nutzen“ – Umwelterziehung ganz praktisch.  


zurück zur vorherigen Seite