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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Blockheizkraftwerk erwärmt Martinskapelle in Husberg und verdient sogar Geld


Die Anschar-Kirchengemeinde Neumünster setzte im Bezirk Bönebüttel-Husberg auf ein mit Erdgas betriebenes BHKW. Nach Anlaufschwierigkeiten überzeugt die gefundene Lösung. 

Im Bauausschuss der Gemeinde begann die Diskussion, welche Heiztechnik künftig in Husberg zum Tragen kommen sollte, als 2001 die automatische Steuerung der 20 Jahre alten Ölheizung ausfiel.

Dr. Beate Jentzen, die Umweltbeauftragte der Anschar-Gemeinde, plädierte für eine Lösung, die den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die CO₂-Emissionen deutlich senken sollte. Bislang wurden in einer Heizperiode über 6000 Liter Heizöl verfeuert.

Kostenangebote wurden für vier alternative Heizsysteme eingeholt. Dass man sich letztlich für die teuerste Investition entschied, wurde durch das zu diesem Zeitpunkt in Kraft tretende Kraft-Wärme-Kopplung- Gesetz begünstigt: Es garantiert den Betreibern eines BHKW die Netzeinspeisung des produzierten Stromüberschusses zu lukrativen Preisen. Hinzu kommen eine Vergütung für eingesparte Durchleitungskosten sowie die Rückerstattung der auf das Erdgas entrichteten Mineralöl- und Ökosteuern. „Neben dem vorrangigen Umweltschutz-gedanken hat dieser finanzielle Aspekt die Entscheidung des Kirchenvorstands für das BHKW befördert“, sagt Beate Jentzen. Seit März 2003 ist das BHKW in Betrieb. Pro Jahr konnten ca. 1000 Euro erwirtschaftet werden, inzwischen bei den gestiegenen Strompreisen noch mehr. Dabei berechnet sich der Gewinn aus einem BHKW nicht nur aus dem Stromverkauf, sondern vor allem aus der Strommenge, die selbst verbraucht und nun nicht mehr eingekauft werden muss.

In welchem Zeitraum sich die Investition amortisiert, hängt von den Betriebsstunden ab. Sie liegen in Husberg etwas unterhalb der Rentabilitätsschwelle, so dass sich dieser Zeitraum voraussichtlich auf 12 Jahre verlängern wird. Die Anlage beheizt die 1967 erbaute Martinskapelle und das angrenzende Gemeindehaus mit zusammen 230 Quadratmetern.

Das Husberger Mini-BHKW vom Typ Ecopower ist nicht größer als eine große Gefriertruhe. Wie funktioniert es? Ein mit Erdgas betriebener Motor treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Über einen Wärmetauscher erhitzt seine Abwärme das Heizungswasser. Das BHKW erzeugt 12,5 Kilowatt thermische und 5,5 Kilowatt elektrische Energie, hinzu kommen 18 Kilowatt Leistung der angeschlossenen gasbetriebenen Spitzenlast-Therme. Der Pufferspeicher, der das erwärmte Wasser verfügbar hält, fasst 750 Liter. In dem angrenzenden Raum des Gemeindehauses ist im Betrieb allenfalls ein ganz leises Brummen zu hören, das nicht stört. Nach anfänglicher Störanfälligkeit und einem Motoraustausch läuft das BHKW inzwischen tadellos und wird im vorgesehenen jährlichen Intervall gewartet. Die wünschenswerte höhere Auslastung der Anlage ergibt sich seit Herbst 2008 durch den 70 Quadratmeter großen Anbau eines weiteren Gruppenraums.

Überlegt wird, das in Sichtweite gelegene Pastorat an das Heizsystem anzuschließen, auch wenn die Fernwärmeleitung dorthin relativ teuer ist. Dann wäre auch ein Bedarf für Trinkwasser-Erwärmung gegeben, den bislang Kapelle und Gemeindehaus nicht haben. Idealerweise kommt ein Mini-BHKW dann zum Einsatz, wenn gleichmäßige Nutzungszeiten für die Heizwärme und den Warmwasserverbrauch bestehen. Die mit der Stromerzeugung gleichmäßig produzierte Wärme muss verbraucht werden. Da die kirchlichen Räume in Husberg nicht durchgängig genutzt werden, läuft das BHKW häufiger mit halber Kraft, was die Rentabilität einschränkt. Einen Beitrag zum Klimaschutz leistet das BHKW kontinuierlich, betonen Pastor Christian Kröger und Beate Jentzen.

„Es ist eine hellgrüne Lösung, denn wir heizen ja nicht CO₂- frei mit Sonnenenergie oder zumindest CO₂-neutral mit Biomasse, aber wir reduzieren wirksam den Schadstoff-Ausstoß. Pro Kilowattstunde selbst hergestellten Strom sparen wir 0,25 Kilogramm CO₂ ein“, rechnet Beate Jentzen vor. Denn bei einem BHKW im Haus entfallen die Übertragungsverluste von 4 - 6 Prozent und der Wirkungsgrad ist durch die gleichzeitige Nutzung von Strom und Wärme wesentlich höher als in einem konventionellem Kraftwerk. Da ein BHKW nicht punktgenau für jeden Spitzenbedarf Strom erzeugt, muss weiterhin Strom zugekauft werden, aber es ist nun weniger als die Hälfte wie früher.

„Wir sind auf dem Weg zum Selbstversorger einen großen Schritt voran gekommen“, freut sich Beate Jentzen. „Zwei Drittel der von unserem Kraftpaket produzierten Strommenge verbrauchen wir selbst.“


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