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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Gerettet – das Baudenkmal Altes Pastorat in Stellau 

Ganzjährig genutzt als Gemeindehaus, sorgen temperierte Wände für sparsamen Energieeinsatz.

Zum 300-jährigen Bestehen des Alten Pastorats von 1706 wurde in der Kirchengemeinde Stellau im Juni 2006 der Abschluss der Baumaßnahmen gefeiert. Das hier nun einziehende Gemeindehaus wurde von Pastor Jan Harbeck eingeweiht, dem Initiator und der treibenden Kraft des langjährigen Ringens um den Erhalt des wertvollen Baudenkmals.

Das Fachwerkhallenhaus unter dem mächtigen Reetdach konnte als Geschichtszeugnis gerettet, die charakteristischen Merkmale bei der behutsamen Restaurierung erhalten werden. Die installierte Beheizungsmethode gibt zudem ein vorbildliches Beispiel, wie bei der Sanierung historischer Gebäude der Denkmalschutz Vorrang genießt und zugleich energieeffizient gewirtschaftet werden kann.

Das Alte Pastorat gehört zum Stellauer Ensemble geschichtsträchtiger Bauten am Ortsrand von Wrist, zwischen Kellinghusen und Bad Bramstedt gelegen. Die mittelalterliche Feldsteinkirche stammt von 1230 – sie steht derzeit vor einer kompletten Sanierung, um Feuchtigkeitsprobleme zu beheben und die veraltete Nachtspeicherheizung zu ersetzen. In das Neue Pastorat von 1859 zog damals die Pfarrersfamilie um. Das Alte Pastorat überdauerte als Scheune und Stallung, verfiel allmählich und diente zuletzt dem Küster als Garage für den Traktor. Es war Anfang des 18. Jahrhunderts in einer Zeit errichtet worden, als Pastoren auf dem Lande noch selber Landwirtschaft betreiben mussten. So befanden sich neben dem Wohnbereich größtenteils Ställe für Pferde und Rinder sowie Lager für Getreide und Futtermittel unter dem Reetdach. Erst Ende der 80er Jahre wurde durch den Rendsburger Kirchenkreisarchivar und Historiker Dr. Ulrich Wilkens und den Bauhistoriker Dr. Holger Reimers die geschichtliche Bedeutung erkannt und auf Betreiben von Pastor Harbeck und des Kirchenvorstands die Rettung des Alten Pastorats in Angriff genommen. 1990 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Ein erster Schritt stellte 1992 die Erneuerung des undicht gewordenen Reetdachs mit den weit heruntergezogenen Traufen dar. So wurde auch Zeit für die Planungen gewonnen, wie das Gebäude bei Erhalt der historischen Bausubstanz künftig genutzt werden könnte. Nach intensiven Diskussionen in der Kirchengemeinde und im Ort entschied man sich bei großer Unterstützung durch das Amt Kellinghusen-Land, das alte Pastorat zum Gemeindehaus umzubauen und für Tagungen, Seminare und Veranstaltungen auch nichtkirchlicher Interessenten zu nutzen. Denkmalschützerische Zielsetzungen bestimmten das mit Dr. Holger Reimers entwickelte Konzept der Architekten A. Razzak Thams und Volker Ballin: Die Bausubstanz und das räumliche Erscheinungsbild sollten bei der Instandsetzung und beim Umbau erhalten werden. Die zentrale, alte Diele, die durch das ganze Gebäude reicht, bildet den großen Veranstaltungsraum, dessen Funktionalität der neue ockerfarbene Estrich geschuldet ist. Alte Fußbodensteine von hier wurden in den seitlich gelegenen Gruppenräumen wiederverwendet. In die westlichen Stallungen, wo es die größten Substanzverluste gab, wurde die neue WC-Anlage eingebaut und zur Diele hin mit Lehmplatten verkleidet. Für viele Bereiche wurde Lehm als Baumaterial ausgewählt, da es bauklimatisch und auch farblich am besten mit den gealterten Holzoberflächen harmoniert. Die Wärmedämmung und die künftige Beheizung für die ganzjährige Nutzung wurden besonders akribisch und denkmalgerecht geplant. Die Heizungsrohrschlangen sind auf den Wänden vor und hinter jeweils 50 Millimeter dicken Reetmatten verlegt worden, auf die eine Lehmputzschicht aufgetragen wurde. Die Wandtemperierung hält die Bausubstanz trocken und die Strahlungswärme der Wände wird als sehr angenehm empfunden. In der Diele ergänzt eine Fußbodenheizung das mit einer Gastherme betriebene Heizsystem.

Der Energieverbrauch entspricht einer 3-Zimmer-Wohnung, die Kosten lagen 2007 unter 1.500 Euro. Dazu tragen weitere wärmedämmende Maßnahmen bei: Die historischen Fenster wurden mit Vorsatzfenstern aufgedoppelt. Auf die inneren Dachflächen zwischen Außenwand und Dachbalken wurde Lehmpferdemist-Verputz aufgetragen. Durch seine windabdichtende Wirkung werden die sehr guten Dämmeigenschaften des Reetdachs verstärkt. „Wir sind sehr glücklich, dass wir auch dank vieler Fördermittel das Alte Pastorat weitgehend in der altehrwürdigen Form erhalten konnten“, unterstreicht Hans-Jürgen Witt, Vorsitzender des Kirchenvorstands. „Das Gemeindeleben hat sich sehr belebt.“ Klaus Engel, Vorstandskollege und Vorsitzender des Bauausschusses, der ebenso engagiert die Bauphase unterstützt hat, ergänzt: „Hier finden jetzt auch standesamtliche Trauungen und Jugendfreizeiten statt. Es ist ein Zentrum der Begegnung geworden.“ Zur Senkung des Energieverbrauchs der Gemeinde und der Schadstoffemissionen, so der Ingenieur, trägt bei, dass das bisherige Gemeindehaus, Mitte der 70er Jahre im Zentrum von Wrist mit einem Eternit-Dach gebaut, veräußert wurde und damit ein Energiefresser die Gemeindefinanzen nicht mehr belastet.   


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