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Blankenese

Der Weg ist das Ziel

Die ‚Kirche am Markt‘ im Hamburger Stadtteil Blankenese steht seit jeher für Bürgerengagement und aktive Teilnahme am gesellschaftspolitischen Diskurs. Ein Schwerpunktthema dabei ist der Klimaschutz – die evangelische Kirchengemeinde in Blankenese realisiert hier viele Projekte mit unterschiedlichsten Facetten.


Die Kirchengemeinde Blankenese setzt auf umweltfreundliche Wärme

„Verantwortungsvolles ökologisches Handeln“ ist im Leitbild der Gemeinde festgeschrieben. Die Bewahrung der Schöpfung und die Förderung eines umweltfreundlichen Lebensstils sind ihr wichtige Anliegen. Die Gemeinde tritt auch ganz konkret für den Klimaschutz ein: So wurde ein neues Nahwärmenetz für die sechs gemeindeeigenen Immobilien installiert, das auf erneuerbare Energien setzt.

Die Heizungsanlagen der Kirche und der sie flankierenden Gebäude am Mühlenberger Weg waren veraltet. Schon wirtschaftliche Gründe zeigten eine Erneuerung an. „Doch bald kristallisierte sich heraus, dass es nicht allein ums Geld sparen, sondern ums CO₂-Sparen gehen müsse“, sagt Pastor Helmut Plank. Diskussionen mit renommierten Klimaforschern und anderen Spezialisten für nachhaltiges Handeln, die seit 2009 mehrfach zu Vorträgen in der GemeindeAkademie zu Gast waren, hatten dieses Bewusstsein geschärft.

Der Kirchenvorstand ließ ein Gutachten erarbeiten, das den Aufbau eines Nahwärmenetzes zur Speisung des gesamten Ensembles vorschlug. Unter der Apsis der Kirche und in der Garage nebenan wurde eine Holzpellet-Heizung installiert, die beide Pastorate, das Gemeindehaus, das Haus des Propstes, das Verwaltungsgebäude des Kirchenkreises und den Kindergarten mit Wärme versorgt. Diese Heizung reicht für den normalen Betrieb aus. Bei sehr niedrigen Temperaturen kann eine Gasheizung dazu geschaltet werden. Eine Solarthermie-Anlage auf dem Kindergartendach gibt zusätzlich Sonnenwärme ins Netz ab.

Die Gertec Ingenieurgesellschaft aus Essen, seit 30 Jahren auf rationelle Energieverwendung spezialisiert, hat das Konzept des neuen Heizsystems in enger Absprache mit dem Bauausschuss der Gemeinde entwickelt. Die ortsansässige Firma Gercke setzte sich im Wettbewerb um den Bauauftrag durch. Die Kosten liegen bei rund 480 000 Euro. „Eine unerwartet große Spende und viele kleinere Beiträge gaben uns die Möglichkeit, das Projekt in großer Freiheit umzusetzen“, freut sich Pastor Plank. Dank der neuen Anlage wird die Kirchengemeinde etwa 100 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

Drei Komponenten speisen das System, das insgesamt sechs Gebäude versorgt:

  • Pelletkessel unter dem Altarraum (11 Tonnen Pellets – eine LKW-Ladung – reichen im Winter 4 bis 5 Wochen)
  • Gaskessel für die Spitzenlast in der ehemaligen Garage (jetzt: Wärmezentrale mit Gaskessel und zwei Wasserkesseln à 10 Kubikmeter, jeweils erwärmt auf 70 bis 78 Grad
  • Solar-Thermie auf dem Kindergartendach. Vor dem KiGa steht eine Anzeigetafel, die den Ertrag verdeutlicht. Der Solargewinn zwischen Mai 2013 und Januar 2014 beträgt z. B. 10 000 kw-Stunden (das braucht man durchschnittlich zur Beheizung von 5 Einfamilienhäusern).


Nähere Informationen zur Technik: Horst Neeb, Vorsitzender des Bauausschusses der Gemeinde, Tel. 0151-12111937


Zukunftsforum Blankenese

Mit drängenden Zukunftsfragen zum Klimawandel und seinen Folgen, zur Entwicklung erneuerbarer Energien, Wasserversorgung und Mobilität beschäftigte sich seit Herbst 2009 ein Vortragszyklus, zu dem die GemeindeAkademie der Ev. Kirchengemeinde eingeladen hatte. Namhafte Wissenschaftler machten deutlich, dass Lösungen für einen nachhaltigen Lebensstil und eine zukunftsfähige Stadtplanung bereits auf dem Tisch liegen. Es braucht jedoch Menschen, die für ihren Stadtteil Verantwortung übernehmen und Politiker bei der Umsetzung umweltfreundlichen Handels begleiten. So fand sich im Herbst 2010 unter Leitung von Dr. Kai Matthiesen eine Gruppe engagierter Bürger zum „Zukunftsforum Blankenese“ zusammen. „Wenn wir uns nicht selbst darum kümmern, dass der Ort lebens-, liebenswert und lebendig bleibt, wer dann?“, fragten sie.
Die Gestaltung des Ortskerns, Verkehrsplanung und Mobilität entwickelten sich zum dominanten Thema. Das Zukunftsforum bot eine Plattform zum Austausch an. 2012 wurde ein viel beachteter Schülerwettbewerb ausgelobt. Kinder und Jugendliche überlegten, wie Blankenese fit werden könnte für die Zukunft und zeigten ihre Entwürfe im Gemeindehaus. Der 1. Blankeneser Schülerkongress, bei dem sich im vergangenen April rund 100 Teilnehmer aus fünf lokalen Schulen altersübergreifend über ihre Nachhaltigkeitsprojekte informierten, setzte dieses Engagement fort. Ein zweiter Kongress findet 2014 statt. Dabei arbeiten die Schüler unter dem Dach des Forums an einem Mülltrennungskonzept ebenso weiter wie an Ideen, wie sich Blankenese fahrradfreundlicher gestalten ließe.

Weitere Informationen:
www.blankenese.de/Kirche/GemeindeAkademie/Zukunftsforum

Unterhaltsam provozieren
„Kunst trifft Nachhaltigkeit trifft Mobilität“ – eine Ausstellung der besonderen Art


Ein Flugzeug, das dank Solarenergie durch die Lüfte gleitet, ein Brautkleid aus recycelten Unterhosen, ein stromlinienförmiges Brennstoffzellen-Auto, das mit 3,3 Kilo Wasserstoff 3.000 Kilometer durch Europa tourte, ein elegantes Liegerad-Tandem mit Schichtholz-Rahmen, dessen ergonomisch geformten Sitze Champagnerkorken aus der Sylter „Sansibar“ weiterverwerten: Die futuristisch anmutenden, aber durchaus praxiserprobten Fahrzeuge stehen für Ressourcenschutz durch den Einsatz erneuerbarer Energien und wiederverwendeter Materialien. Eine Vielzahl solcher zukunftsweisenden Konzepte und Fantasie anregenden Objekte war 2013 in der Kirchengemeinde Blankenese in der Ausstellung „Arte susteMobile“ zu sehen.
Der international engagierte Kurator Samuel J. Fleiner hatte im Blankeneser Gemeindehaus, vor und in der Kirche rund 100 Arbeiten von über 70 Künstlern und Designern aus 17 Ländern versammelt.
Die Exponate vermittelten konkrete und bildliche Vorstellungen zu den verschiedenen Aspekten des Begriffs „Nachhaltigkeit“ und machten ihn für Groß und Klein erlebbar. Sie luden zum Nachdenken ein und gaben Impulse für eigenverantwortliches Handeln.
In einer Metropole wie Hamburg ist die Frage alltäglich präsent, wie Mobilität künftig umweltfreundlich und gerecht gestaltet werden kann. Dementsprechend war das Thema „nachhaltige Mobilität“ der Schwerpunkt der Blankeneser Schau.  Soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Migration, Entwicklungszusammenarbeit, Toleranz und kulturelle Vielfalt waren weitere Aspekte. Auch diese Facetten spiegelten die gezeigten Kunstwerke wider – ein Bildungsprojekt mit besonderem Reiz, das der Gemeinde viel Aufmerksamkeit und Zuspruch einbrachte.


„Kirche schützt Klima“ – eine Publikation der GemeindeAkademie Blankenese

„Lösungen liegen auf dem Tisch, wir müssen sie nur umsetzen“


„Es gibt keine Garantie, dass das Leben auf der Erde in absehbarer Zeit nicht kollabiert“, ist der Theologe Fulbert Steffensky überzeugt. Doch seien wir es uns, den Kindern und Enkeln schuldig, zu handeln als sei Rettung möglich. Ebenso denkt Jakob von Uexküll, Gründer des World Future Council: „Wir tragen durch unsere Lebensweise überdurchschnittliche Verantwortung für den Zustand der Welt. Wir können daher sowohl durch persönliche Verhaltensänderungen als auch durch unseren Einsatz für bessere Rahmenbedingungen und Gesetze viel bewirken. Jede Form von Engagement ist besser, als einfach nichts zu tun.“ Beide Wissenschaftler referierten 2009 während des Evangelischen Kirchentages in Bremen. Und beide gaben der GemeindeAkademie Blankenese damals den entscheidenden Impuls, den Klimawandel, seine verheerenden Folgen und mögliche Auswege mit einem Veranstaltungszyklus fest in den Blick zu nehmen. Das Ziel: „als Gemeinde ein sichtbares Zeichen zu setzen, dass wir neue Wege gehen wollen, um unsere Zukunft zu sichern, schreibt Denise von Quistorp, Leiterin der GemeindeAkademie, im Vorwort des Bandes „Kirche schützt Klima“, der im April 2012 erschienen ist.

Auf 208 Seiten versammelt das Buch 17 Vorträge und Predigten von namhaften Theologen, Natur- und Sozialwissenschaftlern, die in den vergangenen drei Jahren in Blankenese zu Gast waren und ihre Gedanken „zur Bewahrung der Schöpfung und Förderung eines umweltfreundlichen Lebensstils“ vermittelten. Über die naturwissenschaftlichen Grundlagen informieren Experten wie Professor Hermann Held vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und sein Kollege Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Ihr gemeinsames Fazit: Der Klimawandel ist von Menschen gemacht. Die ständig wachsende CO₂-Konzentration in der Atmosphäre heizt die Erde auf und bringt das Klima aus dem Gleichgewicht. Der Ausstoß von Kohlendioxid muss massiv und schnell reduziert werden.

Und dazu trägt die Kirchengemeinde Hamburg-Blankenese viel bei: mit viel Innovation, Engagement und dem Willen zur Veränderung.


Das Buch ist 2012 im fenestra-verlag erschienen und erhältlich bei der
Evangelischen GemeindeAkademie Blankenese e.V.
Tel. 040 – 8662500, www.blankenese.de/gemeindeakademie



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