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Bauen mit Weitblick – generationenübergreifend denken und planen


Das „Haus der Generationen“ des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg in Lauenburg an der Elbe im Passivhaus-Standard

Ein rund zehn Jahre langer Prozess fand im Sommer 2014 sein schönes Ende: das „Haus der Generationen“ in Lauenburg/Elbe seine feierliche Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür. Lange Zeit lagen Steine im Weg, die die evangelische Kirchengemeinde in Lauenburg nach und nach wegräumen konnte. Im Jahr 2011 beauftragte sie das Hamburger Architekturbüro Heinicke mit der Planung des Passivhauses, das den Kindergarten, die Familienbildungsstätte und den Mehrzweckraum beherbergt. Die Grundsteinlegung war im Sommer 2013. „Das bestehende Dietrich-Bonhoeffer-Haus wurde mit  dem Neubau des Passivhauses erweitert“, berichtet Pastor Philip Graffam. Aus zwei bestehenden Kindertagesstätten ist nun eine geworden. „Wir standen vor der Wahl, ob wir zwei Gebäude sanieren oder nur eines. Der Verkaufserlös der alten Kita-Gebäude floss mit in die Finanzierung ein“. Die Finanzierung wurde in zwei Bau- und Finanzierungsabschnitte unterteilt. 1. Kindertagesstätte und 2. Der Gemeindeteil. Die Finanzierung der Kindertagestätte setzt sich wie folgt zusammen: Kreis: 208.620,00 Euro / Land: 285.000,00 / Kirchenkreis: 152.000,00 / KFW-Mittel: Refinanziert durch die Stadt Lauenburg: 660.000,00 / Kirchengemeinde 122000.  Margot und Jürgen Wessel Stiftung: 40 000: Gesamt: 1468.000 (gerundet) Die Finanzierung des Gemeindeteils (ca. 630.000 €) wird durch die Kirchenkreis und die Kirchengemeinde Lauenburg finanziert.

Energetische Überlegungen – das Passivhaus

Die Kirchengemeinde als Kirche vor Ort ist sich auch ihrer Verantwortung bewusst, ihren Anteil im Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung wahrzunehmen. Daher plante sie das gesamte „Haus der Generationen“ nach den modernsten Anforderungen umweltfreundlich zu gestalten und strebte den Bau eines sogenannten „Passivhauses“ an. Das Haus ist so gedämmt und mit einer Belüftungsanlage ausgestattet, dass auf eine konventionelle Heizung weitestgehend verzichtet werden kann. Die Idee des Passivhauses ist es, die erwärmte verbrauchte Luft der sich im Haus aufhaltenden Personen aufzufangen und mittels eines Kreuzwärmetauschers dem Haus wieder als erwärmte Frischluft zuzuführen. So wird nicht nur umweltfreundlich geheizt und Energie gespart, sondern es verbindet alle Besucher des Hauses in besonderer Weise. So wärmen die Kinder der Kita den Seniorennachmittag, die Senioren den Jugendtreff, der Jugendtreff die Posaunenchorprobe und der Posaunenchor die Theatergruppe.

Inhaltlich will das neue Haus der Generationen viel bieten: Es ist offen für alle, auch für kirchenferne Bürgerinnen und Bürger. „Wir möchten unser Haus für alle Lauenburger öffnen, um die Lebenssituation in der gesamten Stadt zu verbessern“, so Karnstädt-Meißner. Er hoffe, dass sich eine Eigendynamik entwickle und das Haus der Generationen zu einem lebendigen Mittelpunkt wird, dessen Angebote zahlreich genutzt werden.

Ausgereifte Gebäudenutzungsplanung – ein wichtiger Aspekt

Bisherige feste Veranstaltungen und Gruppen finden nach wie vor ihren Platz: Gottesdienste, Treffen des Seniorenkreis, Musikgruppen der Familienbildungsstätte und Kirchengemeinde, Gemeindeversammlungen und Sitzungen des Kirchenvorstandes, Konfirmandenstunden und der Jugendkreis „taCH“. Zudem finden regelmäßig Kurse der Familienbildungsstätte, die offene und generationsübergreifende Theaterarbeit, Flohmärkte, Seminare und öffentliche Gemeindeversammlungen statt. Die Lebens- und Erziehungsberatung der örtlichen Diakonie, private und öffentliche Initiativen können die  Veranstaltungsräume nutzen. Darüber hinaus gibt es Themenabende sowohl im interkulturellen als auch im interreligiösen Dialog. „Mit der Zeit stellte sich heraus, das die bunte Vielfalt an Gruppen und Veranstaltungen einen höheren Raumbedarf beanspruchen“, so Philip Graffam. Die Kirchengemeinde wollte mit den Um- und Anbau die verschiedenen Angebote weiter verzahnen, den Raumbedarf anpassen und so den generationsübergreifenden Dialog gestalten.

Der Blick über den Tellerrand


Ein wichtiger Punkt dieser Überlegungen war die demographische Entwicklung Lauenburg: Die Zahl der Senioren in der Stadt steigt weiter, die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt ab. Noch ein Grund: Neben den demographischen Problemen scheint die schleichend zunehmende Verarmung der Stadt die aktuelle Hauptsorge zu sein. Viele Senioren sind auf die Angebote beim Verein „Die Tafel“ angewiesen und jedes dritte Kind lebt bereits unterhalb der Armutsgrenze. Dazu kommen die individuellen Probleme der Vereinsamung und Vereinzelung innerhalb des sozialen Stadtgefüges. Lauenburg zeigt zudem deutliche Spuren einer multikulturellen Gesellschaft und vielen Einwohnern anderer Nationalitäten und Religionsgemeinschaften.  Die Stadt und einzelne Bürger haben bereits auf diese Entwicklung reagiert und es gibt es eine hohe Anzahl von Seniorenheimen und Einrichtungen für betreutes Wohnen, diverse Pflegedienste, den Verein „Die Tafel“, eine aktive AWO-Arbeit, der Treffpunkt im sozialen Brennpunkt „ToM“, kostenloses Schulfrühstück, einen aktiven Ortsjugendring und ein Jugendzentrum.
Die Ziele mit ihrem Haus der Generationen formuliert die Kirchengemeinde Lauenburg/Elbe: Zu unserem Selbstverständnis als „Kirche vor Ort“ gehört neben den kirchengemeindlichen Kerntätigkeiten auch das Engagement im Gemeinwesen sowie unseren Beitrag im familiären, multikulturellen und interreligiösen Zusammenleben zu leisten. Offenheit und Gastfreundschaft sind Qualitätsmerkmale unseres Hauses und tragen dazu bei, die Vielfalt der Menschen unserer Stadt wahrzunehmen und anzuerkennen. „Mit Gott groß werden“ ist nicht nur die Grundkonzeption unserer Kindertagesstätte, sondern zugleich Grundtenor des gesamten Hauses. Es eröffnet einen Zugang zur Welt, der es ermöglicht, Sinnzusammenhänge zu erfassen, das Ganze der Welt zu erschließen und Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu zu beantworten. Es hilft vielen Menschen, einen Halt im Leben zu finden und sie in ihrer jeweiligen Lebenssituation zu begleiten. Zur Umsetzung dieses Ansatzes sind alle bisherigen Angebote und die Kita unter einem Dach untergebracht. Nicht nur die Präsens der vielen verschiedenen Gruppen und Institutionen steht im Vordergrund, besonders auch die Vernetzung untereinander wird angestrebt.
Das Haus der Generationen schafft so die Möglichkeit, die vielfältigen Angebote auf einen Blick wahrzunehmen und stellt sich der Herausforderung das Leben als Ganzes zu begreifen.  Es will eine Atmosphäre des „Ich bin hier willkommen!“ schaffen; ein „Klima des guten Gesprächs und des offenen Dialogs“ erzeugen. Es herrscht eine Atmosphäre der Transparenz und Offenheit.  Wege werden verkürzt und Angebote mit einander vernetzt. Dies soll auch durch die Konzentration auf zwei  Zentren in der Stadt erreicht werden: Das Gemeindehaus und die Maria-Magdalenen-Kirche in der Altstadt und das „Neue“ Haus der Generationen. Nähe schafft Begegnung, Begegnung schafft Dialog. Dialog schafft Akzeptanz und fördert die soziale Interaktivität der Generationen und Milieus innerhalb der Stadt Lauenburg. Die Zusammenarbeit mit dem ToM ist eine der Kernziele des Projektes. 

Treffpunkt der Generationen

In zentraler Lage bietet dieser Raum das Forum für den Dialog der Generationen. So kann das Foyer zugleich als Ausstellungsraum genutzt werden, in dem sowohl die Kita, als auch die anderen Gruppen und Einrichtungen die Möglichkeit haben, ihre Arbeit darzustellen, um so von allen Besuchern wahrgenommen zu werden. Der Mehrzweckraum ist nicht nur Bewegungsraum der Kita, sondern zugleich Treffpunkt der Generationen und lädt zum Verweilen ein.
So ist geplant dort regelmäßig ein „Erzähl-Café“ einzurichten, das eine offene Kinder- Jugend- und Seniorenarbeit im Blick hat. Das Erzähl-Café wird abwechselnd durch die verschiedenen Gruppen auf ehrenamtlicher Basis geführt und jeweils mit altersspezifischen Themen und Angeboten gefüllt. Dazu kommen Veranstaltungen, wie kleine Konzerte, Lese- oder Gesprächsabende.
Insbesondere durch die ansässige Kindertagesstätte ist das Haus der Generationen gleichzeitig ein Treffpunkt der Kulturen. Auf diese Weise sind die verschiedenen Kulturen bereits jetzt im Gespräch. Durch die Nähe von Kita – und Haus der Generationen werden diese Kontakte vertieft.

Fazit

Mit dem Haus der Generationen soll langfristig die enge Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den jeweiligen Altersgruppen und Angeboten der Kirchengemeinde, der Familienbildungsstätte, des ToMs und der Kindertagesstätte gefördert und die Kooperation mit den einzelnen Angeboten der Stadt, Vereinen und privaten Initiativen gesucht und weiter gefestigt werden. Darüber hinaus wird es die Aufgabe der Kirchgemeinde sein, den Wandel der Zeit stets zu beobachten und die Angebote kritisch zu überprüfen und neue Arbeitsfelder zu erschließen.



Haus der Generationen – Passivhausneubau in Lauenburg

Die Planung des Kindergartens begann mit den Architekten Gerster und Heinicke Ende 2011 mit den Änderungsarbeiten von einer normalen Planung des Kindergartens zu einer Passivhausplanung.

Die evangel.-luther. Kirchengemeinde Lauenburg hatte die Architekten gebeten, den Neubau für die das Haus der Generationen mit dem Kindergarten, der Familienbildungsstätte und dem Mehrzweckraum im Sinne der Nachhaltigkeit deutlich besser als den gesetzlichen Standard zu planen, um als Kirche vorbildlich zu agieren.

Die bisherige Planung wurde komplett umgestellt, die Wegeführung der Rettungswege neu ausgerichtet, die Verkehrsflächen werden zu großzügigen Spielzonen umgestaltet, die Hüllflächenbauteile werden den Passivhausstandards angepasst und die technische Ausrüstung wird um je eine Lüftungsanlage für den Kindergarten und den Mehrzweckraum erweitert und die restliche Anlage für das Passivhaus optimiert.

Die Umplanung zum Passivhaus hat zur Folge, dass der gesamte Neubau rund 75-80 % der Heizkosten gegenüber einem Neubau gemäß der gesetzlich vorgegeben Anforderungen in der Zukunft einsparen wird, der konsequente Einsatz von hocheffizienten Elektrogeräten und LED-Beleuchtungen führt zu geringeren Stromverbräuchen gegenüber Standardgeräten und die Warmwassererzeugung wird durch moderne Technik und eine solarthermische Anlage auf dem Zweigeschosser optimiert.

Die Lüftungsintensität in den Gruppenräumen und in dem Mehrzweckraum wird durch permanente CO₂-Messung geregelt, dadurch kann in den Räumen dauerhaft gute Luft garantiert werden. Dies ist besonders im Kindergarten sinnvoll, da somit den Nutzern und somit den Mitarbeitern erspart wird, sich um die Belüftung der Räume zu kümmern.

Durch dauerhaft niedrige CO₂-Werte in den Räumen wachsen die Kinder in einer gesunden Umgebung auf, das Lernvermögen wird nicht eingeschränkt und von den Sanitärräumen geht keine Geruchsbelästigung aus.

Die besonders gedämmten Fenster und Glasfassaden sorgen dafür, dass hier nur sehr geringe Wärmeverluste auftreten und somit die Glasoberflächen innenseitig nahezu Raumtemperatur haben und damit keine Zuglufterscheinungen hervorrufen. In den Gruppen werden deshalb Spielflächen direkt an den Fenster positioniert, damit die Kinder immer eine gute Übersicht haben, was innen und außen passiert.

Eine weitere Besonderheit des Kindergartens ist die Bauweise des Gebäudes.
Es ist ein moderner Holzbau in Holzrahmenbau, der durch den Zimmerer durch hohe Vorfertigung im Werk in kurzer Zeit auf der Baustelle errichtet werden konnte. Auf diese Weise konnte die Bauzeit auf der Baustelle und somit der Wassereintrag in das Gebäude deutlich verringert werden. Die Fassadenflächen und die Dachflächen sind mit einer sehr starken Zellulosedämmschicht gedämmt.
Die Fassaden sind verklinkert und mit Holzfassaden in Teilbereichen ausgestattet, die besonders hervorgehoben werden sollen.

Zusätzlich wird im Innenbereich nicht nur ein Großteil des Mobiliars mit sichtbaren massiven Holzoberflächen ausgestattet, es wird auch viel mit fast naturbelassenen Holzstämmen und Ästen gearbeitet, damit viel von der Haptik des Holzes erhalten bleibt.

Die Bodenbeläge werden mit einem Kautschukbelag ausgestattet, der sich sowohl durch eine hohe Langlebigkeit, einem einfachen Reinigungs- und Pflegebedarf, einer geringen Geruchsbelästigung und einer hohen Farbwahl auszeichnet.

Als Fazit ist zu sagen, dass der Bauherr mit Hilfe des Architekten ein Konzept der nachhaltigen und umweltbewussten Bauweise, der Kinder- und Mitarbeiterfreundlichen Nutzung konsequent umgesetzt hat.

Laut Passivhausdatenbank wird das Haus der Generationen der erste Passivhauskindergarten in Schleswig-Holstein. Er wird außerdem nach einer Kontrolle eines Qualitätssicherers durch das Zertifikat des Passivhausinstitutes zertifiziert.





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