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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Saniertes Pastorat in Bargfeld verbraucht zwei Drittel weniger Energie


Mit Dämmungsmaßnahmen, Lüftungseinbau und Heizungsoptimierung ist aus dem Altbau ein Niedrigenergiehaus entstanden.

Das 1972 erbaute Pastorat der Kirchengemeinde Bargfeld – vor den Toren Hamburgs im Landkreis Stormarn gelegen – wies erhebliche baukonstruktive Mängel auf, die hohe Energieverbräuche zur Folge hatten. Die Ursache lag vor allem an der fehlenden oder unzureichenden Dämmung der Außenmauern und des Dachs. An Übergängen von Gebäudeteilen existierten Kältebrücken, die Fenster stammten noch aus der Bauphase und als problematisch erwiesen sich auch die innen liegenden Dachentwässerungen und eine innen liegende Loggia. Dies alles waren Ursachen für Schimmelpilzbildungen in hohem Ausmaß. Hinzu kam ein wesentlicher Nutzungsmangel, denn die Privaträume waren vom Gemeindebüro im Haus nicht klar getrennt.

Anfang 2003 entschied der Kirchenvorstand, die umfassende Sanierung des Pastorats in Angriff zu nehmen. Im Zuge der Mängelbeseitigung sollte auch der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Die Architektin Heike Krüger entwickelte eine Planungskonzeption mit ganzheitlich ökologischem Ansatz, die beim Umbau auf die Realisierung des Niedrigenergiehaus-Standards abzielte. Auch der Primärenergieaufwand für die ausgewählten umweltverträglichen Baumaterialien und die erforderlichen Baumaßnahmen selbst sollte möglichst gering ausfallen.

Verschiedene Alternativen, etwa zum künftigen Heizsystem, wurden erwogen und durchgerechnet. Schon bald fielen im Kirchenvorstand die Entscheidungen und die Sanierung wurde in kurzer Bauzeit im 2. Halbjahr 2003 verwirklicht. Höchste Priorität kam in allen Gebäudebereichen der effektiven Wärmedämmung zu. Die Außenmauern erhielten ein Verbundsystem aus Mineralwolle-Dämmung und sind nun teilweise, vor allem im Giebel, zusätzlich mit Lärchenholz verschalt. Das alte Dach wurde abgetragen, die Sparren aufgedoppelt und mit 20 Zentimeter Zellulose gedämmt. Dann wurde das Dach mit neuen Tonpfannen eingedeckt. Die alten Fenster wurden durch wärmeschutzverglaste Holz-Alu-Fenster ersetzt.

Um den Niedrigenergiehaus-Standard zu erreichen, wurde eine dezentrale Lüftungsanlage eingebaut. Bei der neu installierten Heizungsanlage entschied sich die Gemeinde für einen Erdgas- Brennwertkessel. Im Ergebnis ist der jährliche Energiebedarf pro Quadratmeter um mehr als zwei Drittel von 348 auf 108 Kilowattstunden gesunken. Damit werden pro Jahr 13.000 Kilogramm CO₂-Emissionen eingespart. Für die Maßnahmen erhielt die Gemeinde aus dem Nordelbischen Klimaschutzfonds einen Zuschuss in Höhe von 18.200 Euro. „Wir haben die gesteckten Ziele, aus dem Altbau ein Niedrigenergiehaus zu machen und das Problem des Schimmels abzustellen, erreicht“, freut sich Otto Jöns, der heutige Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeinde.

Zum ganzheitlichen Konzept von Heike Krüger für die Sanierung kirchlicher Liegenschaften zählen weitere ökologische Maßnahmen, die nicht nur die Energiebilanz betreffen. In Bargfeld- Stegen wurden die Flachdächer des Pastorats zu Gründächern umgestaltet. Die Dachentwässerungsrohre sind nach außen verlegt und das Schimmelproblem gelöst worden. Das früher auf dem Grundstück versickernde Regenwasser wird nun aufgefangen und zur Gartenbewässerung genutzt. Optisch präsentiert sich der Bau sehr reizvoll durch die Farb- und Materialkontraste in Rotbraun, Gelb, dem Anthrazit der Dachpfannen und den Holztönen der Wandverkleidungen. Innen wurde die funktionale Raumaufteilung optimiert, so dass nun der familiäre Privatbereich von Pastor Wolfgang Stahnke und die Büroräume voneinander getrennt sind.

Das Bargfelder Pastorat, errichtet in der Bau- und Umweltsünden reichen Zeit Anfang der 70er Jahre, ist zum Vorzeigeobjekt nicht nur im Kirchenkreis Segeberg (jüngst mit Plön fusioniert) geworden. „Alle Beteiligten haben sehr zielorientiert zusammen gearbeitet“, betont Pastor Stahnke. „Es war eine gute Erfahrung und wir sind dankbar, nun in einem gesunden Haus wohnen zu können und gleichzeitig zum Klimaschutz unser Scherflein beizutragen”.

Die Gemeinde ruhte sich nicht auf dem Ende 2003 erreichten Fortschritt aus: 2007 hat sie abermals investiert und das Pastorat energetisch weiter verbessert. In die nach Süd-Süd- Ost ausgerichtete Dachschräge wurden auf einer Fläche von 12 Quadratmetern Sonnenkollektoren integriert, die zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung dienen und die CO₂-Emissionen auf unter 90 Kilowattstunden senken.  


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