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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Pilotprojekt – Holzpellets heizen Kirche und Pastorat


Die Kirchengemeinde Berkenthin entschied sich für eine Pelletheizung und sammelt seit über drei Jahren positive Erfahrungen.

 „Es bestand dringender Handlungsbedarf“, beschreibt Pastor Wolfgang Runge die Ausgangssituation in 2003/04. „Unsere in die Jahre gekommene Heizungsanlage entsprach in keiner Weise mehr dem Stand der Technik: Der Wirkungsgrad und die Kosteneffizienz des Brennstoffeinsatzes sowie die Schadstoffbelastung für die Umwelt waren nach heutigen Standards nicht mehr vertretbar“. Bislang wurden die Kirche und das Pastorat getrennt mit drei Ölheizkesseln beheizt, wovon ein Kessel bereits über 30 Jahre alt und sehr störanfällig war.

Bei einem kunsthistorischen Kleinod wie der frühgotischen Kirche in Berkenthin ist bei jeder baulichen Sanierung besonderes Fingerspitzengefühl erforderlich. Die Kirche ist ausgeschmückt mit mittelalterlichen Wandmalereien, einem spätbarocken Altar und der Figur der Maria Magdalena aus dem 15. Jahrhundert. Entstanden um das Jahre 1230, ist die Kirche auf monumentalen Feldsteinen gegründet. Vom Elbe-Lübeck- Kanal fällt der Blick zunächst auf den wuchtigen Kirchturm. Nebenan liegt das Pastorat von 1858 in Fachwerkausführung, das auch eine Außenstelle des Kindergartens und die evangelische Sozialstation beherbergt.

Als Entscheidungsgrundlage für die erforderliche Investition in das Heizsystem erstellten im ersten Schritt Heike Krüger, Architektin und Klimaschutzbeauftragte des Kirchenkreises, und der Diplomingenieur Anders Christensen einen Heizkostenvergleich. Er verglich die Kapital-, Verbrauchs- und Betriebskosten für den Einsatz der Brennstoffe Heizöl, Erdgas und Holzpellets zusätzlich mit der Variante, künftig beide Gebäude zentral zu erwärmen. Bei den damaligen Preisen der Energieträger ergaben sich annähernd gleiche Kosten. Die höheren Investitionskosten für die Pelletheizung konnten durch einen Förderzuschuss des Umweltministeriums für dieses Heizsystem ausgeglichen werden. In den anschließenden Diskussionen im Kirchenvorstand gab letztlich der Klimaschutzgedanke den Ausschlag: Beim Einsatz der Biomasse Pellets fallen 68 g/MWh CO₂-Emissionen an, bei Heizöl sind es 342 g, bei Erdgas 228 g.

Im Herbst 2004 wurde dann die Planung vom Ingenieurbüro IGEM umgesetzt. Zunächst wurde die Kirche mit einer Fernwärmeleitung mit dem Pastorat verbunden. Der Pelletheizkessel mit einer Leistung von maximal 100 Kilowatt fand Platz im hinteren Raum der vorhandenen Garage neben dem Pastorat. Die Holzpellets lagern in zwei Silos à 9 Tonnen Kapazität. Aus den Silos werden die acht Millimeter großen Pellets mittels einer Förderschnecke in den Brennraum des Kessels geleitet. Hier können zusätzlich auch anfallende Holzabfälle direkt verfeuert werden.

Die Anlage läuft seit Anfang 2005 problemlos. Auch die Wärmezuleitung, die in der Kirche die Heizschlangen unter den Holzböden der Kirchenbänke erwärmt, funktioniert ausgezeichnet. Im Betrieb muss lediglich alle 14 Tage die Asche aus dem Brenner entfernt werden. Aufgrund von Denkmalschutzauflagen kam der Einsatz einer Solaranlage auf den Dächern des Bauensembles nicht in Betracht.

So wurde mit Berkenthin erstmalig für eine Kirche in Nordelbien die Pelletheiztechnik umgesetzt. Denkmalschützer fordern häufig in weiteren Gemeinden, die auf Pellets umsteigen wollen, eine Sichtverkleidung des Pelletsilos, etwa eine Holzverschalung, was allerdings eine Kostensteigerung mit sich bringt. In Berkenthin sind es handelsübliche Futtermittelbehälter, die neben der Garage sichtgeschützt von den historischen Gebäuden her stehen. Die grünen Silos passen sich hier in die landwirtschaftlich geprägte Umgebung gut ein. „Wir sind mit der realisierten Lösung richtig glücklich“, sagt Pastor Runge, „denn wir konnten gleich zwei große Ziele mit der Heizungsumrüstung erreichen: Einerseits verzeichnen wir inzwischen bei den zuletzt massiv gestiegenen Heizölpreisen spürbare Einsparungen bei den Verbrauchskosten. Und wir konnten mit der Entscheidung für den nachwachsenden Rohstoff Holzpellets den Schadstoffausstoß deutlich reduzieren und tragen im Rahmen unserer Möglichkeiten zur Bewahrung der Schöpfung bei.“

Wolfgang Runge hat die Entwicklung der Energiepreise in den vergangenen drei Jahren genau verfolgt und errechnet, dass in diesem Zeitraum über 11.000 Euro beim Brennstoffkauf eingespart werden konnten. Für eine große Zahl von Besuchern, auch im Rahmen der regelmäßigen Teilnahme der Gemeinde an den Biomasse-Tagen, hat die Berkenthiner Heiztechnik Vorbildcharakter für den Umweltschutz gewonnen.  


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