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Pastorat gleschendorf

Gleschendorf

Denkmalschutz und energetische Sanierung – das schließt sich nicht aus!


Ein gelungenes Beispiel aus der evangelischen Kirchengemeinde Gleschendorf im Kirchenkreis Ostholstein

Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Gleschendorf ist eine Flächengemeinde mit insgesamt zehn Dörfern und etwa 2300 Kirchengliedern. Sechs Kilometer von der Lübecker Bucht entfernt, im idyllischen Ortskern auf einer Anhöhe gelegen, liegt die 1259 erbaute Kirche und ein Ensemble aus drei weiteren gemeindeeigenen Gebäuden. Das Alte Pastorat von 1812 fungiert gleichzeitig als das Gemeindehaus, das Neue Pastorat stammt aus dem Jahr 1963, ein Kindergarten wurden 1999 erstellt.
Die kleine Gemeinde ist seit langen Jahren schon außerordentlich engagiert im Klimaschutz. 2007 wurde die Kirche renoviert und das Dach des Kindergartens mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet, 2009 wurde das neue Pastorat energetisch saniert. Im nächsten Schritt wurde das so genannte „Alte“ Pastorat – das Gemeindehaus – unter energetischen Aspekten unter die Lupe genommen: Das Dach musste dringend saniert werden. Der Kirchenkreis Ostholstein wies zu dieser Zeit einen Zuschuss für Energetische Sanierung von Gemeindehäusern aus. Dieser wurde von der Kirchengemeinde für das Alte Pastorat beantragt und auch vom Kirchenkreis bewilligt - somit war ein erster finanzieller Grundstock für die weiteren Planungen vorhanden.

Die Vorgehensweise

Der Kirchengemeinderat gab im Jahr 2010 ein Sanierungsgutachten für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Auftrag. Ein Architekturbüro erarbeitete zwei Optionen für eine gleichermaßen denkmalgerechte und energetisch sinnvolle Sanierung: Eine „kleine“ Lösung für etwa 300.000 € und eine „große“ für etwa 500.000 € inkl. Baunebenkosten. Beide schienen in dieser finanziellen Größenordnung im ersten Moment so erst mal nicht umsetzbar. In 2012 wurde dann eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich konkret und ausschließlich mit Finanzierungsmöglichkeiten für die Sanierung beschäftigte – mit viel Kreativität, Innovation und Hartnäckigkeit.


Klug geplant

                                                                                                                                                        Die Kirchengemeinde holte die örtliche politische Ebene mit ins Boot. Der Ortsverwaltung wurde ein verbrieftes Recht angetragen, die Räume der Kirchengemeinde für Veranstaltungen, Tagungen und Sitzungen zu nutzen – für einen Betrag von 100.000 €. Zu diesem finanziellen Sockel wurden ergänzend Fördergelder bei der „Aktiv Region Innere Lübecker Bucht“ für das Projekt beantragt. Diese Fördergelder sind spezielle EU-Mittel für die Entwicklung der ländlichen Räume. Mit den umlagefähigen Beträgen konnte die Gemeinde hier weitere 167.000 € erhalten. Somit hatte die Gemeinde die Kosten für die „große“ Lösung zu über 50% von nicht-kirchlichen Institutionen gesichert. Der Kirchenkreis Ostholstein steuerte die schon genannten 50.000 € dazu und noch einmal etwa die gleiche Summe als Beteiligung zum Erhalt der Gebäude. Den Rest übernahm die Kirchengemeinde selbst durch Rückgriff auf Baurücklagen und Kfw-Kredite. Die Kfw-Kredite werden refinanziert und bedient durch die Einspeisevergütung der Photovoltaikanlage auf dem Kindergartendach – ein geschickter Schachzug.


Die Umsetzung


Parallel zur Sicherstellung der Finanzierung wurden gemäß dem Gutachten Ausschreibungen für die Gewerke erstellt und versendet. Im Mai 2013 wurde dann endlich mit den Arbeiten begonnen. Das Alte Pastorat ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, also konnte die Dämmung der Außenwände nur von innen erfolgen. Sie wurden mit 6 cm dicken Silikatplatten gedämmt. Die Fenster wurden durch so genannte Winterfenster im Inneren der Räume gedoppelt. Das Gebäude umfasst gesamt über zwei Stockwerke ca. 360 qm. Die Elektrik sowie die Beleuchtung wurden komplett erneuert. Und - ganz wichtig: Eine neue, energetisch sehr günstige Pellet-Heizungsanlage mit Warmwasserbereitung wurde installiert.

Im Obergeschoß befinden sich nun das neue Kirchenbüro und das Büro der Diakonin, ferner wurde eine schon bestehende Mietwohnung in den Neubaustandard gesetzt.
Das Gebäude hat eine neue Dachabdeckung aus roten Tondachziegeln bekommen. Das war nicht einfach zu lösen: Das vorhandene Dach war mit Sparren im Abstand von 1,6 m konstruiert und benötigte einen zusätzlichen Dachstuhl, so dass der Sparrenabstand dann auf die Hälfte der ursprünglichen Breite reduziert werden konnte.

Durch die denkmalgerechten Umbauten und den neuen Außenanstrich ist das Gebäude ein richtiges Schmuckstück in Gleschendorf geworden. Die Wiedereröffnung wurde im November 2013 natürlich groß gefeiert.
Die Gemeinde betrachtet die vollständige energetische Sanierung des Altes Pastorates als einen wesentlichen regionalen Beitrag zum Klimakonzept der Nordkirche und damit zur CO₂-neutralen Kirche bis 2050.


Technische Details


Die Dacheindeckung und Traglattung des Alten Pastorats wurden entfernt. Der Dachstuhl wurde verstärkt und neue Sparren zwischen die alten gesetzt. Die alten Hölzer aus der Zeit Napoleons wiesen keine Zeichen von Schwamm oder Schädlingen auf – ein großer Vorteil, so konnten diese erhalten werden. Das Dach wurde mit neuen Dachlatten versehen und mit roten Tonziegeln entsprechend der Denkmalschutzvorschriften neu eingedeckt. Regenrinnen und Fallrohre wurden erneuert, Dachschrägenfenster mit modernsten Energiesparwerten eingebaut. Die Traufenverkleidung und die Ortgänge wurden erneuert.
Natürlich gab es während der Bauphase auch unangenehme Überraschungen: Im Dachgeschoss waren im Laufe der Zeit mehrere Lagen unterschiedlichster Bodenbeläge und Konstruktionen ein- und einfach aufeinandergebaut worden. Diese alten, maroden „Schichten“ wurden entfernt und gemäß des Brandschutzgutachtens ein Feuer hemmender Trockenestrich eingebracht - unerwartete und leider sehr teure Maßnahme. Die Innenwände im Obergeschoss wurden nach Einbringung der Dampfsperre neu mit Gipskarton-Platten verkleidet. Außerdem wurden eine luftdicht schließende Bodenluke und eine neue Eingangstür installiert. Zudem wurde für das gesamte Obergeschoss wurde eine Lüftungsanlage eingebaut.
Die Außenmauern des Gebäudes durften aus Denkmalschutzgründen nur von Innen gedämmt werden. Dafür wurden 8 cm starke Kalzium-Silikat-Platten verbaut. Diese Platten haben eine geringe Wärmeleitfähigkeit, sind Schimmel hemmend, nicht brennbar, diffusionsoffen und resistent gegen Ungeziefer. Die Energieeinsparung durch den Einbau an allen Außenwänden betrug mehr als 13 % des Energiebedarfs gegenüber dem vorherigen Zustand. Dafür mussten allerdings sämtliche, Wasser-, Strom- und Heizungsleitungen neu verlegt werden.
Um aufsteigende Feuchtigkeit in den Außenwänden zu verhindern wurde rund um das Gebäude das Gelände aufgegraben und eine Drainage sowie ein breiter Kiesstreifen eingebracht. Die Außenwände erhielten einen cremefarbenen Anstrich in Absprache mit dem Denkmalschutzamt.
Die nach außen aufschlagenden Doppelglasfenster aus Holz erhielten Winterflügel aus Holzprofilen und Isolierglas. Dies ermöglicht 17 % Energieeinsparung gegenüber dem Stand vor der Sanierung.
Im Innenbereich wurde ein neuer hoch strapazierfähiger Kunststoffbelag in Holzoptik verlegt. Der große Saal erhielt eine Schallschutz-Decke und alle Räume eine moderne Beleuchtungstechnik.
Die alte Öl-Heizung mit Niedertemperaturkessel aus dem Jahre 2003 entsprach mit den Werten von 270,7 (kW/qma) nicht mehr den modernen Anforderungen, die auch von der Kredit gebenden Bank gefordert wurde. Insofern entschied sich der Kirchengemeinderat für den Einbau einer modernen Holzpellet-Heizung. Diese ermöglicht jetzt dem über 200 Jahre alten Haus Energieverbrauchswerte eines neu gebauten Hauses. Darüber hinaus werden regenerative Energien zum Heizen genutzt.




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