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Bericht aus der Broschüre Klimaschutz in Nordelbien / Oktober 2009


Innovative Heiztechnik: Erdwärme aus 100 Meter Tiefe speist Wärmepumpen


In Westerrönfeld bei Rendsburg sind die gesetzten Ziele ausnahmslos erreicht. Die Umwelt und der Gemeindeetat werden dauerhaft entlastet.  

„Wir müssen neue Wege gehen – und zwar rechtzeitig“, bringt Burkhard Herrenkind, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Gemeinde Westerrönfeld, die Herausforderungen des Klimawandels auf den Punkt. Dringender Handlungsbedarf bestand bei dem Gemeindehaus mit seiner störanfälligen Ölheizung. „Unser Ziel war es, mit einer zukunftssicheren energetischen Lösung die Betriebskosten und die Emissionen deutlich zu senken.“

In weniger als zwei Jahren konnte der Umbau von der Planung bis zur Inbetriebnahme der neuen Heizungsanlage verwirklicht werden. Frühzeitig wurde als Berater der Vorsitzende des Kirchenkreis- Umweltausschusses Wolfgang Waldschmidt hinzugezogen. Er empfahl eine intelligente Heiztechnik, die in ökologischer und ökonomischer Hinsicht als Hoffnungsträger anzusehen ist: den Einsatz von Wärmepumpen bei Nutzung der Erdwärme. Hierbei lässt sich mit vergleichsweise wenig elektrischer Energie das Vierfache an teurer fossiler Energie einsparen. Es ist zwar eine relativ hohe Investition erforderlich, die sich aber in unter zehn Jahren amortisiert hat. Die Gemeinde konnte die Gesamtkosten für Sanierung und Heizungsanlage in Höhe von 290.000 Euro aus der Rücklage finanzieren.

Das 1.057 Quadratmeter Nutzfläche bietende Gemeindehaus beherbergt neben dem Gemeindesaal und dem Kirchenbüro auch die Kita und viele Gruppenräume. Für das Objekt wurde ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das auch die Optimierung der Gebäudedämmung vorsah. „Zunächst braucht die Gebäudehülle ‚Pudelmütze und Schal‘, um höchste Effizienz zu bieten“, betont Wolfgang Waldschmidt. So wurden unter anderem im Dachgeschoss neue Fenster mit hochwärmegedämmtem Glas eingebaut. Der Eingangsbereich erhielt eine neue Tür und einen Windfang. Die Außenwände waren bereits einige Jahre zuvor saniert worden. Kernstück des neuen Heizsystems sind zwei Wärmepumpenaggregate, die in Kaskade hintereinander geschaltet sind. Im Sole- Kreislauf wird die Umweltwärme im Erdboden aufgenommen und der Wärmepumpe zugeführt. In einem weiteren ständigen Kreislauf verdampft hier dann das Arbeitsmittel, wird verdichtet und dadurch zusätzlich bis auf über 60 °C erwärmt. Anschließend überträgt das Arbeitsmittel die Wärme auf das Heizwasser, wobei es wieder verflüssigt wird. Das erhitzte Wasser fließt durch die Raumheizungskörper. Beim Prozess der Temperaturanhebung und -übertragung in der Wämepumpe wird Antriebsenergie in Form von Strom eingesetzt. Die Funktionsweise ist im Prinzip dieselbe wie bei einem Kühlschrank, nur mit umgekehrtem Ergebnis. In Westerrönfeld wird erst bei kälteren Minustemperaturen und großem Heizbedarf auch die zweite Wärmepumpe aktiviert. Um eine ausreichende Versorgung jederzeit zu garantieren, wurde zur Sicherheit noch ein kleiner Erdgaskessel installiert. Um den Erdboden als Wärmequelle zu erschließen, hat man sich in Westerrönfeld für das sehr effektive Geothermie-Verfahren entschieden: Der Sole-Kreislauf führt durch insgesamt sechs senkrecht bis zu 100 Meter tief im Kita-Außenbereich in die Erde gebohrte Sonden und nimmt die Erdwärme auf.

Bei der Terminplanung musste berücksichtigt werden, dass bei Erdbohrfirmen Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr bestehen. Seit Herbst 2007 ist das neue Heizsystem in Betrieb und hat im ersten Winter auf Anhieb zuverlässig funktioniert. Mit dem Umbau und der Installation wurden vor allem ortsansässige Unternehmen beauftragt. Der Wartungsaufwand für die Anlage ist minimal. In der ersten Heizperiode sanken auch, wie vorab berechnet, die Energiekosten um annähernd 50 Prozent. Im Kirchenvorstand wird inzwischen überlegt, wie man mit der Kirche und dem Pastorat verfährt – auch sie sollen in absehbarer Zeit mittels Wärmepumpe und Erdgas-Brennwertkessel beheizt werden.

Burkhard Herrenkind schaut noch einmal zurück: „Vor der Umsetzung des Gesamtkonzepts war es wichtig, die gesamte Gemeinde einzubeziehen und mögliche Vorbehalte auszuräumen. Das ist, auch dank der Beratung durch Herrn Waldschmidt, gelungen. Heute sind wir alle stolz, eine Heiztechnik mit Vorbildcharakter vorzeigen zu können.“ Pastorin Constanze Maase fügt hinzu: „Das Gemeindeleben hat sehr von der Zukunftsinvestition profitiert. Die Konfirmanden beispielsweise treffen sich in Räumen unter dem Dach, die nun zu jeder Jahreszeit gut klimatisiert sind.“

Vor allem freuen sich beide über den ‚grünen Effekt‘: Der CO₂-Ausstoß verringerte sich um ca. zwei Drittel im Vergleich zu Ölheizsystemen. Bezieht man Strom aus erneuerbaren Quellen, wird ganz auf fossile Brennstoffe verzichtet und ein wirksamer Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet.


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