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Photovoltaik auf Kirchendächern – Sakrileg oder Erfolgsmodell?

Viele Kirchen verfügen über ein nahezu ideal geeignetes Dach für eine Photovoltaikanlage. Die Längsachse eines Kirchenschiffs ist traditionell in Richtung des Orients ausgerichtet. Diese so genannte „Ostung“ oder auch „Orientierung“ führt dazu, dass eine der langen Dachflächen exakt nach Süden weist. Darüber hinaus sind Kirchen heute zwar nicht mehr immer, aber doch sehr oft das höchste Gebäude der Umgebung, weswegen keine Verschattung durch hohe Nachbarbauten auftritt.

Kirchendächer bieten im Regelfall eine ausreichend große Fläche zur Installation einer Photovoltaikanlage. Da es sich bei Kirchen oft um Kulturdenkmäler handelt, sind Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten.

Bedenken bestehen regelmäßig dann, wenn das Aussehen des Kirchengebäudes sehr stark verändert wird. Dementsprechend geeignet ist unter diesem Aspekt die gebäudeintegrierte Photovoltaik. Hier übernehmen Dachziegel, die optisch normalen Dachziegeln gleichen, die Funktion der Solarmodule und der Dacheindeckung gleichzeitig. Ob der sakrale Charakter des Kirchengebäudes gegen eine solche Nutzung des Kirchendachs spricht, ist immer wieder ein Thema für Diskussionen in den Kirchen und Gemeinden. Das Spektrum der Meinungen reicht von „Entweihung“ bis „Bewahrung der Schöpfung“. Ein Konfliktpotenzial zwischen Denkmalschutz und erneuerbaren Energien ist ohne Zweifel vorhanden. Dass sich Klima- und Denkmalschutz aber nicht ausschließen, zeigen zahlreiche Kirchengemeinden, die Solaranlagen betreiben und tragfähige Kompromisse mit den Denkmalschützern erarbeitet haben. Solarwärme- und Solarstromanlagen auf den Dächern kirchlicher Einrichtungen erforderten oft den persönlichen Einsatz der Betroffenen: Umweltbeauftragte, Gemeindemitglieder und Pastoren machen sich stark für die Sonne.

In Mecklenburg und Pommern tragen besonders viele Kirchendächer eine Photovoltaikanlage. Ein Beispiel ist die Kirchengemeinde Carlow, im Mecklenburgischen zwischen Ratzeburg und Rehna gelegen. Die Solaranlage auf dem Kirchendach in Carlow wurde 2001 in Betrieb genommen, die Erstellung wurde durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Der erzeugte Strom wird in das Energienetz eingespeist.

Gebäudecharakteristik und Konzeption der Anlagentechnik

Die Kirche zu Carlow ist ein einschiffiger Backsteinbau mit kreuzförmigem Grundriss und Satteldach. Der erhalten gebliebene Chor stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und dokumentiert den Übergang von der Romantik zur Gotik. Turm, Langhaus und die beiden Querhäuser wurden als neugotischer Backsteinbau 1885 und 1889 errichtet. Im Zuge der Instandsetzung des Daches einschließlich des Dachverbandes wurde als Beitrag der Kirchengemeinde zur Schonung der Umwelt die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage auf der Südseite des Kirchendaches beschlossen und mit der Landesdenkmalbehörde abgestimmt.

Aus denkmalpflegerischen Gründen fanden Solarzellen Verwendung, die sich besonders gut in das Gesamtbild der Kirche einfügen. Die Solarmodule sowie auch die Dachpfannen sind farblich und technisch aufeinander abgestimmt. Umwandlung von Sonnenstrahlen in Elektroenergie ist für die Kirchgemeinde eine Möglichkeit, Gottes Auftrag gerecht zu werden, die Erde zu „bebauen und zu bewahren“.

Dieser Ansatz wird auch öffentlich über Schautafeln an der Kirche kommuniziert, auf denen über die Hintergründe der Anlage informiert wird. Die Thema Bildung ist in Carlow ebenfalls didaktisch gut eingebunden – die Anlage wird regelmäßig von Schulklassen und im Rahmen der kirchlichen Jugendarbeit besichtigt, Workshops und Projekte zu Solarenergie werden angeboten. Zudem werden in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Schaalsee Informationsveranstaltungen vor Ort mit abgehalten.

Erfahrung bei der Realisierung und dem Betrieb der Anlage

Mit der Montage der PV-Anlage wurden gleichzeitig der Dachstuhl und die Dachdeckung erneuert. Statt der vorherigen Deckung mit Schiefer wurden nun in Abstimmung mit der Denkmalpflege Fachziegel eingesetzt, die es ermöglichten, eine Indachlösung für die PV-Module zu finden. Zur weitest gehender Vermeidung von Verschattungen durch das Querhaus der Kirche wurden die Module nicht als Rechteck sondern als Parallelogramm verlegt. Trotzdem konnte die Verschattung einzelner Flächen, insbesondere am frühen Vormittag, nicht vermieden werden. Unabhängig von diesen Verschattungen arbeitet die Anlage störungsfrei und ertragreich.

Erfahrungen bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Verbreitung

Über die PV-Anlage wurde bereits in der Bauphase in allen regionalen und auch in überregionalen Zeitungen berichtet. Die Regionalsender RMV und Antenne MV berichteten in Interviews über die Anlage. Es wurde ein Informationsblatt erstellt und verteilt, die Anlage ist im Internet zu finden und wurde bei den Solartagen in Neubrandenburg vorgestellt. Viele gezielte und auch sporadische Gruppen haben seitdem die PV-Anlage besichtigt. Nachfragen bei den Führungen zeigen das große Interesse der Besucher am Zusammenhang zwischen der Anlage und dem Bestreben, erneuerbare Energien zur Bewahrung der Schöpfung zu nutzen.
Sowohl vor und nach den Gottesdiensten besteht bei der Kirchengemeinde nach wie vor ein großes Interesse an der PV-Anlage. Erzeugte Energiemengen und Erlöse aus der Anlage sind ständiges Gesprächsthema – eine starke Identifikation der Kirchengemeinde mit der Anlage.

 

 


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